

Österreich gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Dieser Reichtum nimmt ständig zu. Doch auch die Armut wächst: über 12% der Bevölkerung (rund eine Million Menschen) sind arm oder armutsgefährdet.
Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Armut ist ein Verteilungsproblem.
Mit ihrer Initiative will die Wiener Tafel auf die Diskrepanz in unserer Gesellschaft hinweisen: Jährlich werden in Wien rund 70.000 Tonnen Lebensmittel vernichtet. Zeitgleich weist Wien mit 17% der Bevölkerung das größte Armutsrisiko auf. Längst schon geht Armut durch alle Bevölkerungsschichten. Neben den geschätzten 800 permanent Obdachlosen nehmen über 7.100 Menschen zeitweise Obdachloseneinrichtungen in Anspruch. In Wien stehen 4.500 Wohn- und Schlafplätze für Menschen ohne Wohnung zur Verfügung. Expertenschätzungen zufolge sind in Österreich insgesamt rund 12.000 Menschen wohnungslos. Armut macht krank und einsam. Sie grenzt aus, entwürdigt den Menschen, schwächt ihn und die Gesellschaft.
Durch die Arbeit der Wiener Tafel soll Abhilfe geschaffen, der Staat jedoch nicht aus seiner sozialen Verantwortung entlassen werden. Die in der Bundesverfassung verankerte Pflicht zur Grundversorgung der StaatsbürgerInnen muss Aufgabe der öffentlichen Hand bleiben. Die Wiener Tafel versteht ihren Einsatz als ergänzendes Hilfsangebot.
Armutsmessung
In der Armutsforschung unterscheidet man zwischen Armutsgefährdung und manifester Armut.
Die Armutsgefährdung wird gemäß dem Europäischen Statistischen Zentralamt (EUROSTAT) ausschließlich über Einkommensrisiken definiert. Personen, deren Einkommen unter 60% des Medianwertes des Pro-Kopf-Einkommen liegt, gelten als armutsgefährdet. Dieser Schwellenwert beträgt derzeit 994 Euro monatlich.
Von manifester Armut spricht man, wenn neben der finanziellen Not noch andere Beeinträchtigungen bestehen (chronische Krankheiten, die Unmöglichkeit die Wohnung angemessen zu beheizen, neue Kleidung zu kaufen, unerwartete Ausgaben zu machen, einmal im Monat nach Hause zum Essen einzuladen, usw.).
Bevölkerungsgruppen mit überdurchschnittlichem Armutsrisiko:
24% aller alleinstehenden Frauen
30% aller AlleinerzieherInnen
20% aller kinderreichen Familien
19% der Menschen mit Behinderung
25% der Menschen mit Migrationshintergrund
42% der Langzeitarbeitslosen
Nähere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Homepage der
Armutskonferenz.